Kammer der Ziviltechniker:innen weist Kritik an Südtirolersiedlung zurück

Vorarlberg, 09.04.2026 – Die Kammer der Ziviltechniker:innen für Tirol und Vorarlberg ordnet die Debatte um die Südtirolersiedlung in Bregenz ein. Aus Sicht der Kammer handelt es sich um ein vorbildlich durchgeführtes Wettbewerbsverfahren. Das fachlich am höchsten bewertete Siegerprojekt überzeugt insbesondere dadurch, dass es die baukulturelle Charakteristik der Siedlung bewahrt und gleichzeitig dringend benötigten, leistbaren Wohnraum schafft.

Fünf Jahre fachliche Vorbereitung 

Der Ideenwettbewerb ist Teil eines seit über fünf Jahren laufenden, fachlich begleiteten Planungsprozesses. Unterschiedliche Szenarien – von vollständiger Erhaltung bis zu Neubauten – wurden umfassend untersucht, mit dem Ziel, so viel Bestand wie wirtschaftlich möglich zu sichern. „Alle relevanten Szenarien wurden geprüft; ergänzende Kostenschätzungen zeigten, dass eine vollständige Erhaltung wirtschaftlich schlichtweg nicht umsetzbar ist“, betont Sektionsvorsitzende der Architekt:innen Carmen Schrötter-Lenzi. 

Auch unterschiedliche Sanierungsansätze wurden im Verfahren eingebracht und geprüft, konnten jedoch im Gesamtvergleich – insbesondere in Hinblick auf Wirtschaftlichkeit, städtebauliche Qualität und Umsetzbarkeit – nicht überzeugen. „In diesem Fall würde aus einem gemeinnützigen Wohnbauprojekt eine hochpreisige Wohnanlage werden – das widerspricht dem sozialen Auftrag des gemeinnützigen Wohnbaus“, so Schrötter-Lenzi. 

Wettbewerbe liefern tragfähige Lösungen

Kammerpräsident Hanno Vogl-Fernheim ergänzt: „Aus meiner Erfahrung mit Südtirolersiedlungen in Tirol, wo von Neubau über Abriss bis Sanierung mehrere Varianten umgesetzt wurden, ist die Sanierung oft wirtschaftlich nicht tragbar. Der Architekturwettbewerb in Bregenz zeigt klar, welche Lösungen unter den gegebenen Rahmenbedingungen möglich sind – und wie leistbares Wohnen gesichert werden kann.“ 

Der Prozess startete mit einem Ideenwettbewerb und wird im kommenden Jahr mit einem Realisierungswettbewerb fortgesetzt – ein zweistufiges Modell, das im Wohnbau keine Selbstverständlichkeit ist. „Gerade die Gegenüberstellung unterschiedlicher Planungsansätze ist ein zentrales Qualitätsmerkmal solcher Verfahren“, hebt Vogl-Fernheim hervor. 

Baukulturelle Qualität bleibt erhalten 

Angesichts steigender Baukosten und eines hohen Bedarfs an leistbarem Wohnraum sind realistische Lösungen gefragt. Der Wettbewerb sieht vor, einen markanten Teil der bestehenden Siedlungsstruktur – rund ein Viertel des Areals rund um den Südtiroler Platz – als identitätsstiftendes Zentrum weiterzuentwickeln. Von den 280 Wohnungen bleiben 80 im Bestand, wodurch die baukulturelle Charakteristik der Siedlung gewahrt wird, während Neubauten zusätzlichen Wohnraum für künftig rund 320 Wohnungen schaffen „Gerade in Zeiten von Wohnungsknappheit müssen verantwortungsvolle Kompromisse gefunden werden: so viel Bestand wie wirtschaftlich möglich zu sichern und gleichzeitig neuen, leistbaren Wohnraum zu schaffen“, betont Schrötter-Lenzi. Das Siegerprojekt entwickelt die bestehenden Qualitäten zeitgemäß weiter; Fragen zu Freiraum, Begrünung und Klima werden im Realisierungswettbewerb vertieft.

 

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